Sommer im Herbst – Andalusien im November 2018

Herbst. Wenn sich in Deutschland Ende Oktober die Motorradsaison dem Ende zuneigt, ist die Saison in Spaniens Süden noch in vollem Gange. Laut einschlägigen Wetterportalen herrschen in Málaga und Umgebung noch freundliche Temperaturen von knapp über 20 Grad Celsius.

Wenn sich in Deutschland Ende Oktober die Motorradsaison dem Ende zuneigt, schlägt die Stunde von Hotelier Christian Schlich, Betreiber des Hotels Forsthaus in Volkesfeld, Eifel. Denn er bietet mindestens vier Mal pro Jahr Motorradtouren nach Andalusien an. Und das Besondere: Er holt die Bikes an einem Sammelpunkt nach Kundenwunsch in der Eifel ab und bringt diese bis in die Tiefgarage des Hotels an der Mittelmeerküste!

Wenn sich in Deutschland Ende Oktober die Motorradsaison dem Ende zuneigt, checke ich am Köln-Bonner Flughafen bei Ryan Air mit Ziel Málaga ein. Nur mit Handgepäck bin ich kostengünstig unterwegs. Nur mit Handgepäck? Ja, denn die ganzen Motorradklamotten und das restliche Gepäck sind bereits auf Christians Anhänger in den Süden transportiert worden!

Dienstag, Costa del Sol. Drei Stunden später setze ich die Sonnenbrille auf. Es sind Mitte 20 Grad, die Sonne scheint herrlich am internationalen Flughafen Málaga-Costa del Sol, wie er sich offiziell nennt. Sobald ich aus dem Flughafengebäude trete, sehe ich bereits Christians unübersehbaren Mercedes Allrad Bus, mit dem er mich und meine vier Mitstreiter bequem zum Hotel im 60 Kilometer entfernten Küstenort Almuñécar an die Sonnenküste chauffiert.

Das Hotel. Wir sind im 4-Sterne Suite-Hotel Albayzin del Mar untergebracht. Das Gepäck ist bereits auf dem Zimmer, das Motorrad steht in der Tiefgarage. Bis jetzt läuft alles perfekt. Apropos Zimmer. Das Zimmer ist eine Suite mit drei Schlafzimmern, zwei Bädern, einer geräumigen Küche, einem großen Wohnzimmer, einer großzügigen Terrasse und einem Balkon. Wir sind baff und werden vom Luxus fast erschlagen. Denn jeder von uns hat eine Suite alleine für sich und seine Partnerin zur Verfügung! Also funktionieren wir eines der Schlafzimmer zum Ankleidezimmer oder begehbaren Kleiderschrank um. Die Motorradklamotten finden ausreichend Platz. Die restliche Wäsche wird rundum auf den Betten drapiert.

Das Hotel selber liegt in zweiter Linie, nur wenige Meter von der Altstadt und 700 Meter vom Strand entfernt. Hinter dem Hotel ist eine grüne Obstbaumplantage, die hinter der großzügigen Freibadelandschaft den Ort von der Hotelanlage trennt. Immer noch geblendet von dem ganzen Luxus, der gleißenden Sonne und der genialen Aussicht auf das Meer, entschließen wir uns, schnell noch eine Runde auf den Motorrädern zu drehen.

Also düsen wir über die kurvenreiche Küstenstraße bis nach Motril, drehen dort, tanken auf dem Rückweg und rollen zurück in die Tiefgarage unseres Luxusbunkers. Es waren nur 40 Kilometer Strecke, aber diese machten eine große Lust auf die vor uns liegenden Tage!

Die Teilnehmer. Wer ist denn eigentlich zu dieser Tour mitgekommen? Fangen wir mal mit unserem Reiseveranstalter und Tourguide Christian und seiner Lebensgefährtin Siegrun an. Die beiden fuhren mit dem Mercedes einschließlich wertvoller Fracht – 6 Motorrädern und dem ganzen Gepäck – die gut 2.200 Kilometer lange Strecke in den Südwesten Europas. An Bord auch die beiden lieben Hunde Paula und Maya. Dann nahmen mein Neffe Frederik mit seinem Kumpel Florian, mein Kollege Achim mit Monika sowie Jola und meine Wenigkeit an dem Sommerurlaub im Herbst teil.

Das sechste Motorrad auf dem Hänger gehörte übrigens Achims kölschem spanischen Kumpel Angel, der auf diesem Wege seine BMW in die Nähe seines spanischen Domizils liefern ließ.  Ihn trafen wir noch öfters in den kommenden Tagen.

Die Motorräder. Triumph Speed Triple, Honda African Twin, KTM 1290 Super Adventure S, Kawasaki ZZR-1100, Harley Davidson.

Abendbrot. Zum Abendessen reservierte Siegrun für uns täglich ein schönes Lokal im Ort. Das Restaurant für den ersten Abend, es hieß wie der schwedische Name der Besitzerin,  Sabina, lag direkt an der Strandpromenade. Die Chefin begrüßte jeden Gast auf dessen Sprache. Uns also auf Deutsch (denn Kölsch war eine der wenigen Sprachen, die sie nicht sprechen konnte). Der angepriesene Fisch stand nicht auf der Speisekarte, denn dieser wird jeden Morgen fangfrisch eingekauft. Sabina leierte die diversen Fischsorten und –größen perfekt und in Deutsch herunter. Das Essen war sehr lecker, der Vino tinto auch.

Übrigens kehrten wir vorher, weil wir früher dran waren, auf ein Bier in ein Lokal unmittelbar am Strand ein. Pepe Dígame heißt es wohl, jedenfalls meine ich mich an diesen Namen erinnern zu können. Dort wollten wir nur ein bis mehrere Biere trinken, um die Zeit bis zur Tischbestellung bei Sabina zu überbrücken. Aber was wir bornierten Touristen nicht bedachten: In Andalusien war es schon immer Sitte, zusammen mit  den Getränken an der Theke Tapas, quasi kostenlos, zu servieren.

Nachdem wir vollgefressen mit Tapas und anschließendem Sabina-Fisch zurück im Hotel ankamen, wurde der Abend auf dem Zimmer zu Ende begossen. Ob der frühen Aufstehzeit geschuldet oder der vielen cerveza bzw. vino tinto, beendeten wir den Abend um 23 Uhr mit dem Ziel, um 9 einhundert den Frühstücksraum zu entern und um 10 einhundert mit den Motorrädern abzufahren.

Frühstück. Ziel erreicht. Pünktlich erschienen wir im Frühstücksraum. Der Kaffee war okay, nur der weite weg zu unserem Tisch war immer wieder beschwerlich. Obwohl wenige Gäste im Frühstücksraum saßen, wählte unser Tourguide den, zum Frühstücksbüffet am weitesten entfernten, Tisch aus. Machte aber nichts, denn so schaffen wir die medizinisch wertvollen 10.000 Schritte pro Tag wenigstens auch im Urlaub. Was gab es noch zum Frühstück zu sagen? Die Kaffeetasse wurde durch den Kaffeeautomat nur halb befüllt. Nach dem ersten Schub musste man immer nochmals die Taste für den Kaffee drücken. Wegen der wenigen Gäste entwickelten sich dadurch aber nur kurze Schlangen vor dem Gerät.

Die erfahrene Kellnerin schaute immer lasziv auf meine Waden und leckte sich dabei mit ihrer Zunge ihre Lippen. Kann aber auch sein, dass meine Wahrnehmung mich morgens ein wenig trug.

Die außergewöhnliche musikalische Beschallung im Frühstücksraum beschrieb Frederik so:

Auf dem Trödelmarkt gab es drei CD’s für nur einen Euro zu kaufen. Und als Geschenk gab es eine CD umsonst obendrauf dazu. Und genau diese obendrauf CD wurde morgens in den Player gelegt, um die Gäste zu beschallen.

Mittwoch, Die Tour. Um kurz vor 10 Uhr stiegen wir in der Tiefgarage – wen es interessiert, die lag auf der Etage minus 2 bzw. auf dem Knopf stand -2, auch in Blindenschrift – auf unsere gesattelten Maschinen. Jedenfalls standen wir alle um 10 einhundert, unter den Augen neidischer anderer Gäste, vor dem Hotel und nahmen unseren Fahrbefehl entgegen.

Der führte direkt zur Repsol Tankstelle im Ort. Achim und ich schauten den anderen beim Befüllen ihrer Moppeds zu, denn wir waren ja gestern schon dran.

Endlich ging es los. Christian fuhr mit seiner weißen Harley in einem flotten Stiefel vor uns die Landstraße A-4050 den Berg hinauf. Nach wenigen Kilometern verließen wir den urbanen Bereich und ab sofort ging es in unendlichen Kurven ohne jedweden Verkehr den Berg hinauf. Am Mirador de la Cabra legten wir die erste Pause ein. Wir hatten Tränen in den Augen. Nicht wegen des Fahrtwindes, sondern  weil wir glücklich waren, an diesem sommerlichen Herbst-Dienstag auf den leeren Straßen Andalusiens die kurvigen Straßen genießen zu können!

Weiter führte die Straße, direkt am weißen Fels entlang gebaut, mit phantastischen Aussichten in Richtung Norden. Nach rund 40 Kilometern Fahrstrecke nahm die Route einen 90 Grad Knick nach rechts. Zu unserer Linken zeigte sich der schneebedeckte Pico del Veleta, der in der Sierra Nevada 3.398 Meter in die Höhe ragt. Beim Schießen der obligatorischen Fotos wurde der Wunsch, diesen Berg zu besuchen, immer größer.

Die Fotoapparate, Action-Kameras und Smartphones wurden eingesteckt, der Pico war immer noch zu sehen, aber wir fuhren weiter. Kurven gibt es ja genügend in dieser schönen Ecke Land.

Die links abführende GR-3302 nahm uns in sanften Kurven mit bergab, dann ging es auf die GR-3307 und kurz darauf über die A-338 bis nach Pantano de los Bermejales. Das dortige Restaurante El Cruce (die Überfahrt) war unsere Mittagsstation. Genau wie in den Bars und Lokalen auf allen folgenden Touren, bekamen wir hier hervorragende Tapas, Salate und Fleisch zu essen. Im Kamin des Lokals loderte das Feuer vor sich hin. Es war kühl im Gastraum. Nachdem wir nach Begleichung unserer Rechnung ins Freie gingen, wärmte uns die wohlig warme Sonne auf. Sie war, wahrscheinlich hatte auch sie eine Mittagspause eingelegt, wieder zum Vorschein gekommen.

Unmittelbar nach dem Start gab es das nächste Highlight und eine erneute Pause. Eine Staumauer, auf der wir in einer Ausbuchtung in der Mitte parkten, trennt hier den, nach dem Ort benannten See, vom Fluss Río Cazín. Die Schlucht auf der Flussseite ist sehenswert, die Fische im See sind es auch.

Wir umfuhren den See und begaben uns auf kleinsten Sträßchen, deren Nummern ich gar nicht alle aufführen kann, bis zum nächsten Stausee, dem Embalse de la Viñuela. Auch von dort ging es über kleinste kurvige, teilweise namenlose, Sträßchen weiter durch die Sonne. Deren Untergang* verfolgten wir von einem Parkplatz am Mittelmeer, unweit des Hotels.

Anschließend knatterten wir, fast 240 Kilometer nach dem Start am Morgen, zufrieden in die Tiefgarage.

*Ich muss allen Romantikerinnen und -ern mal die Illusion rauben. Denn Herr Wikipedia gibt zum Thema folgende Erklärung ab: „Denn nicht die Sonne bewegt sich, sondern der Betrachter wird aufgrund der natürlichen Erdrotation über die Tag-Nacht-Grenze auf der Erde bewegt“. Also nix mit romantischem Untergang. Es ist die Erdrotation!

Abendbrot II. Heute hatte Siegrun bei Francisco I (es gibt auch II, aber wir waren bei I) reserviert. Es war ein klasse Abend mit Paella und anderem leckeren Essen. Die Toilette ist übrigens interessant angelegt und sehenswert. Wenn man mal vor Ort ist, sollte man mal nachschauen, danach weiß man, was ich meine.

Heute waren wir bei Monika und Achim zum Absacker trinken und Oliven und Nüsse essen. Es war ein total runder Tag mit vielen Erlebnissen!

Die Höhle. Neben einer Motorradtour war für diesen Donnerstag die Besichtigung der Höhlen von Nerja geplant. Wir nutzten die Küstenstraße für die kurze Anreise und, weil wir früh frühstückten, konnten wir uns der Höhlenführung um 10.30 Uhr anschließen. Das weitläufige Höhlensystem ist auf jeden Fall sehens- und besuchenswert. Allerdings ist es recht feucht und warm dort in der Tiefe. Es empfiehlt sich die Tiefen in leichter Kleidung zu besuchen. Übrigens bekommt man – ich sage mal elektronische Smartguides mit Ohrstöpsel – um die ganzen Stalagmiten und Stalagtiten  sowie die ganzen anderen faszinierenden Gebilde in deutscher Sprache erklärt zu bekommen. Auch vorzeitliche Höhlenmalereien und diverse Knochen findet man in diesem riesigen Höhlenlabyrinth. Und schreiende Babys. Aber das ist eine andere Geschichte….

Die Tour. Endlich draußen! Dieses sagten wir uns, als wir das Tageslicht wiedersahen. Es war mittlerweile Sommer im Herbst, denn auch draußen waren es weit über 20 Grad. Und wir erblickten Angel auf der Terrasse des Cafés an der Höhle. Achims Kommunikationsverhalten mit smarter Weitergabe seines Standortes an seinen Kumpel funktionierte einwandfrei.

Nach Getränk und Schweißtrocknung durch die warme Luft saßen wir auf unsere Böcke auf. Kurzer Abstecher noch zum nicht römischen Aquädukt, denn dieses hier in Nerja wurde im 19. Jahrhundert erbaut, um Wasser zu einer Zuckermühle zu führen. Fotos gemacht, alles für die Nachwelt festgehalten, wir sind ja nicht zum Spaß hier!

Wir fuhren zurück in Richtung Almuñécar, bogen aber kurz vor dem Ort rechts ab und kurvten über eine schmale Ortstraße in vielen Serpentinen bergab bis zum Strand von Cotobro. Ein schöner Ort zum Fotografieren der Motorräder, denn die Ortstraße führt unmittelbar am Meer entlang.

Weiteres Highlight, welches wir leider nicht fotografiert haben, ist das Haus in Form eines riesigen Trailers – also Schiffes – in der Av. Del Mediterráneo 34. Unübersehbar, denn über diese Straße geht es zurück zur Bundesstraße. In Google Street View klasse zu erkennen, denn wir fotografierten leider nicht.

Die weitere Reise führte uns über die küstenbegleitende Straße bis nach Motril. Entlang kleinster und enger Gässchen führte uns unser Tourguide Christian durch diesen wuseligen Ort mit seinen immerhin ca. 60.000 Einwohnern. Hinter dem Ort nahm uns die GR-5209 auf, die uns in engen Kurven am Berghang entlang bis nach Castell de Ferro führte. Dort nahmen wir ein kleines Mittagsessen am spanischen Platz ein. Dieser heißt hier natürlich, damit die Einheimischen es auch verstehen „Plaza España“.

Zurück fuhren wir über die Küstenstraße an Motril vorbei um kurz danach rechts nach Lobres abzubiegen. Über die GR-5300 verschlug es uns in den Ort Itrabo, der eigentlich neben der GR-Straße liegt. Aber Chris wollte uns die Straßen- und Hausbaukunst der Andalusier näher bringen. Kaum zwei Meter breit waren die Gassen mit eng aneinander gebauten Häusern. Es war ein großes Erlebnis, durch diese Ortschaft zu fahren.

Die GR-5300 mündet in die A-4050, die wir noch vom Vortag kannten. Kurz darauf trafen wir, wie jeden Tag, in der Tiefgarage des Hotels ein.

Anlegerbier. Heute wurde das Anlegerbier, oder wie auch immer man das Bier nach der Tour nennen mag, in der 50 Meter neben dem Hotel liegenden Café Bar La Granja eingenommen. Zu jeder bestellten Runde gab es nach andalusischer Sitte, wir kennen diese ja schon vom ersten Abend im Strandlokal, ein paar Tapas dazu. Nach dem vierten Bier waren wir nicht nur lustiger, sondern auch satter. Denn der Wirt ließ es krachen und sich nicht lumpen, uns die besten Tapas anzubieten, die seine Küche zu bieten hat. Übrigens ist auch in diesem Restaurant die Toilette (im Wandschrank) sehenswert.

Abendbrot III. Da Siegrun noch einen Tisch bei Jesús  geordert hatte, zogen wir uns im Hotel nach der Katzenwäsche schnell um und danach wieder in den Ort. Hunger hatten wir zwar kaum noch, aber die Speisen im Restaurant waren dennoch überaus lecker.

Anschließend saßen wir bei Frederik und Florian, aber es wurde nur ein Bier getrunken, denn wir alle waren müde vom Tag und voll vom Essen und den Anlegergetränken.

Freitag. Ein Ausflug in die Schinkenstraße war es heute nicht, nein, wir wollten nach Trevélez in die Berge und dort in ein weit über die Grenzen hinaus bekanntes Schinkengeschäft fahren. Sonnenschein, die Aussicht auf die Kurven und auch den Jamón* de Trevélez oder den Jamón* Serrano ließen uns froh gelaunt in die Tour starten. *Für den des spanischen nicht so mächtigen lautet das deutsche Wort für Jamón Schinken.

Abermals starteten wir auf der Küstenstraße in Richtung Motril, um kurz vor diesem Ort links auf die N-323a in Richtung Granada abzubiegen. Wenige Minuten nach dem Abbiegen hielt Tourguide Chris an, um uns auf die grandiose Schluchteinfahrt hinzuweisen, die wir in wenigen Minuten passieren würden. Also Kameras und smarte Wegbegleiter aus der Tasche geholt, den Film eingelegt und auf den roten Video-Aufnahmeknopf gedrückt.

Die Schlucht des Río Guadalfeo ist wirklich großartig anzusehen und muss sich vor Schluchten in den amerikanischen Nationalparks nicht verstecken. Die Kurven sind weitläufig geschwungen und lassen sich sehr gut mit zügiger Geschwindigkeit bewältigen. Alleine der orkanartige Wind, der uns entgegenschlug, trübte den Eindruck ein wenig.

Einige Kilometer später erreichten wir den imposanten und erst vor ein paar Jahren fertiggestellten, von den Ríos Guadalfeo und Izbor gefüllten Stausee. Oben an der Staumauer machten wir auf dem großen Parkplatz Rast und begutachteten die Dimensionen und Ausmaße der Mauer, des Sees sowie zeitgleich des herrlichen Panoramas. Im Hintergrund sind ständig die schneebedeckten Berge der Sierra Nevada zu sehen.

Bergab zurück auf die Hauptstraße N-323 a und dann weiter in Richtung Granada. Seit Fertigstellung der Autobahn A-44, die mehr oder weniger parallel verläuft, ist auf der Hauptstraße kaum noch Verkehr.

In Tablate biegen wir rechts auf die A-348 ab. Sofort haben wir enge Kurven und schöne Aussichten vor uns. Nur vor den großen und langen LKW mit Auflieger muss ich warnen, die plötzlich hinter einer Kurve auftauchen und die Straße versperren können.

Große LKW? Was machen die hier? Das Rätsel wird gleich gelöst. Auf der rechten Straßenseite erscheint nämlich nach einigen Kilometern die Wasserfabrik der Aguas de Lanjarón, die ihr klares Gebirgswasser in den Supermärkten Spaniens feilbieten. Dorthin wird das Wasser, in Plastik verpackt, eben genau mit diesen großen LKW geliefert, die hier überall lauern können.

Wiederum kurz nach der Wasserfabrik kommt rechter Hand ein Holzhaus in den Blick. Hier wird frischer Käse, Wurst, Honig, Olivenöl und allerlei Handgemachtes aus dieser Region vermarktet. Es ist eine Art Genossenschaft, wenn ich die spanisch sprechende Dame im Verkaufsraum richtig verstanden habe. Fabrica de Quesos y Mermeladas steht groß auf einem hölzernen Schild, welches am hölzernen Häuschen angebracht ist. Wir kaufen ein paar Kleinigkeiten ein und freuen uns schon darauf, das Eingekaufte bald zu verzehren.

Motorradhandschuhe. In der folgenden Ortschaft Lanjarón kehren wir auf einen Café con leche und ein Aqua con oder sin gas ein. Sin und con muss man sich gut merken, denn wenn man ein alkoholfreies Bier bestellt, ist das auch sin – aber nicht sin gas – denn das schmeckt abgestanden. Also heißt es: sin Alkohol, con gas!

Die Motorräder parkten wir mangels freier Parkplätze unter den großen Alleebäumen auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Manch einer ließ Helm und Handschuhe am Gefährt zurück, denn die Leute hier sind alle ehrlich. Dass diese These doch nicht immer stimmt, musste unser Guide Christian schmerzlich erfahren. Seine Harley war die einzige Maschine, die minimal nicht in unserem Blickfeld abgestellt war. Und genau von dieser wurden die wertvollen verschwitzten und abgegriffenen Lederhandschuhe geklaut. Keiner hatte etwas gesehen, sogar der junge Mann vom nahen Pizzadienst sah angeblich nichts. Auch nicht in Spanisch. Zum Glück hatte Chris noch ein Paar Reservehandschuhe dabei, aber der Ärger nagte schon an uns und besonders an ihm!

Der weitere Teil der Hauptstraße war wegen des Wochenmarktes gesperrt. Die Umleitung war durch winzige Schilder durch die Gässchen des Ortes ausgeschildert. Da hätten die LKW der vorher von uns passierten Wasserfabrik sicherlich nicht durchgepasst. Wahrscheinlich haben die Fahrer eine App auf dem Telefon, die ihnen die Wochenmärkte der Umgebung anzeigen, die dann nicht durchfahren werden können. Wer weiß?

Schinken. Hinter Las Barreras verlassen wir die A-348 nach links auf die A-4132. Ab hier kommt ein Muskelkater verursachendes Kurveneldorado, welches bis nach Trevélez, dem Ziel unserer Halbetappe führt. In diesem Ort gibt es unzählige Wurst- und Schinkenproduzenten, aber auch Reisegruppen, die per Bus hierhin geshuttelt werden. In diesem Zusammenhang muss ich darauf hinweisen, dass auf der wuseligen Gebirgsstraße hin und wieder auch mal ein großer Bus oder mit saftigem Schinken beladener LKW entgegen kommen kann.

Nach dem guten Mittagessen (Menü mit Suppe, Hauptgang und Kaffee für 9,90 €) besuchten wir das dem Lokal gegenüberliegende Schinkengeschäft. Die Touristenbusinsassen waren wieder unterwegs, so dass wir alleine durch den Laden schlendern konnten. Über unseren Köpfen hing die Ladendecke vollgepfropft mit weit über 100 Schinken in unterschiedlichsten Größen.

Ich ertappte mich bei dem Gedanken, der mir vorschlug, die Sozia hier zu lassen und dafür den riesigen Schinken hinter mich auf die Sitzbank zu schnallen. Plötzlich hörte ich aus dem „Nichts“ meinen Vornamen, der aus dem zarten Munde meiner Sozia tönte. Meine Traumblase verpuffte und ich fuhr nicht mit der Schinken-, sondern mit meiner Lieblings-Keule als Sozia auf der Sitzbank weiter.

Gegenverkehr. Von der A-4132 wechselten wir nach mehreren Kilometern Kurvenfahrt auf die A-4130, die sich noch stärker den Berg hinab schlängelte. Und genau bei einer uneinsehbaren 98 Grad Linkskurve kam uns er – der Bus – mit einem einheimischen und sich auskennenden Fahrer zügig spurtend entgegen. Chris zuckte zusammen, wobei sich sicherlich ein Teil seiner Verdauung explosionsartig in seine Hose entlud, und zirkelte seine wuchtige Harley Zentimeter knapp am riesigen Ungetüm vorbei. Auch wir Hinterherfahrenden mussten unsere Unterwäsche später vorsichtig ausziehen, waren auch unsere Schließmuskel durch diese Begegnung stark in Mitleidenschaft gezogen worden.

Während wir gerade so die Kurvenprüfung auf der äußersten Rille bestanden hatten und voll in die Eisen gingen, zog der Busfahrer unbeeindruckt und ohne weitere Temposenkung seine Kreise. Übrigens war dieses der einzige Gegenverkehr auf der 15 Kilometer langen Strecke.

Über die A-348 und dann A-346 kamen wir zurück zu dem Stausee, an dem wir schon morgens pausierten. Dieses Mal nur an anderer Stelle, die uns einen ebenso schönen Ausblick wie am Morgen währte.

Durch die Schlucht bis zur N-340, dann an der Küste entlang zum Hotel fuhren wir nach Hause.

Secreto. Zum Abendbrot sollte es heute etwas ganz Besonderes geben. Wir marschierten in die Stadt zum Restaurant Méson Rocío. Hier war der Tisch reserviert. Das Lokal ist bekannt dafür, dass das Fleisch hinter der Theke an einem offenen Grill gegrillt wird. Und zwar das Secreto, welches versteckt zwischen Rückenspeck und dem großen Rückenmuskel liegt und wesentlich aromatischer ist, als das echte Schweinefilet. Daher wird es „das geheime Filet“ genannt, welches vom dem Schwein stammt, das sich von den Eicheln der Eichenwälder ernährt. Ich möchte behaupten, dass es das Beste vom Schwein war, was ich seit ewigen Zeiten gegessen habe.

Samstag. Heute wollten wir nochmals in die Berge fahren. Außer Achim und Monika. Die beiden treffen sich mit ihrem Kumpel Angel in dessen Haus in Nerja.

Drohne. Heute packte Chris seine Drohne ein, denn er möchte ein paar Aufnahmen aus luftiger Höhe machen. Dieser praktische kleine Film- und Fotoapparata

 ist schon eine tolle Sache. Zusammengepackt eher kleiner als ein Schuhkarton, die Steuerung wird über das Smartphone vorgenommen, passt das Teil ohne weiteres in einen Tankrucksack. Schöne Bilder macht dieses mit vier Propellern ruhig durch die Luft surrende Gerät ebenfalls. Ein überlegenswertes Geschenk für Weihnachten vielleicht? Wer weiß…?

Die Strecke von heute glich der gestrigen Anfahrt einschließlich der Einfahrt in die imposante Schlucht. Doch nach wenigen Kilometern bogen wir links in die GR-3204 ein, welche die Schlucht oben herum begleitet. Trotz des Samstags war nichts los. Eine Hand voll Fahrzeuge begegnete uns auf der 30 Kilometer langen Kurvenstrecke bis nach Restábal.  Immer den zweiten und dritten Gang nutzend düsten wir am Berg entlang. Chris zeigte uns, dass man eine Harley durchaus sportlich bewegen kann. Zwischendurch an einem Aussichtspunkt legten wir einen kurzen Stopp ein, um die Drohne auszuprobieren. Die Vögel der Umgebung fühlten sich scheinbar in ihrer Lufthoheit eingeschränkt und umflatterten das Luftschiff mit lautem Drohgezwitscher. Aber sobald die Drohne gelandet war verschwanden die Vögel wieder und waren nicht mehr zu sehen und hören.

In Restábal ging es links auf der GR-3300 bis zum nächsten Ort Albuñelas. In der Gaststätte Tres Lindes gab es einen verdienten Café con leche oder ein stilles Wässerchen, sin gas, wie wir bereits gelernt hatten. Dieses Lokal zu finden ist schon eine Kunst für sich. Jeder Interessierte sollte sich das mal in Google Street View anschauen, durch welche Gässchen man dorthin gelangt und in welchem Pfädchen das Lokal liegt. Wir waren übrigens nicht die einzigen Gäste im netten Gastraum.

Zurück auf der Hauptstraße fuhren wir die GR-3208 bis zu deren Ende, dann ging es links auf der N-323a in Richtung Granada, jedoch bogen wir von der gut befahrenen Bundesstraße doch lieber links in die A-4050 ab. Almuñécar war sogar schon ausgeschildert. Die Landschaft erinnerte mich auf einem kurzen Teilstück ein wenig an eine Strecke in Schottland zwischen Glenshee und Braemar.

Die 3 Kilometer lange Gerade auf dem Weg in die Berge nutzte ich, um den Tempomaten meiner KTM mal auszuprobieren. Liebe ich dieses Teil in meinem Auto, an meinem Motorrad kann ich mich damit noch nicht anfreunden. Vielleicht muss ich nochmal zum Nordkap fahren, um mich umzustimmen.

Irgendwann waren wir wieder inmitten der Berge. Die weißen Felsen, die an unserem ersten Fahrtag rechts in die Höhe ragten, lagen nun auf unserer Linken. Irgendwie ist das auch logisch, fuhren wir doch heute in entgegengesetzter Richtung. Hinter der Tunneldurchfahrt parkten wir am Rande der Straße, um das großartige Panorama aufs Smartphone zu bekommen, damit wir per WhatsApp die zu Hause gebliebenen Kollegen, Freunde und Familie mit den schönen Bildern ärgern oder erfreuen können. Auch die Drohne hatte einen weiteren Einsatz.

Kurz darauf stoppten wir beim Restaurant El Capricho am Ortsanfang von Otivar. Die Terrasse lag schön in der Sonne. Der Kellner brachte uns mürrisch die Karten, aber als wir unsere kompletten Spanisch-Kenntnisse bei ihm anbrachten, wandelte sich seine Stimmung und schließlich war er noch witziger als wir.

Die letzten Kilometer bis zu unserer Tiefgarage waren in wenigen Minuten absolviert. Direkt im Anschluss gingen wir keinen trinken, wie sonst üblich, sondern in den Supermarkt, um einen großen Einkauf zu tätigen. Hier kommt der Vorteil des Motorrad- und Gepäcktransportes durch Chris wieder voll zur Geltung. Ob der klobige 5 Liter Olivenölkanister oder die Weinkartons, alles kommt mit Mercedes und Anhänger zurück in die Eifel.

Abendbrot, das nächste. Wie wir vollbeladen zum Hotel zurückkommen, steht Angel mit seiner BMW im schattenwerfenden Nachmittagssonnenschein. Er hat Achim und Monika nach Hause zum Hotel begleitet. Nach kurzem Small-talk verschwinden wir in unsere Suite und er in Richtung Nerja.

Heute Abend ist der Besuch des Lokals Asador Casa la Parra geplant, welches sich direkt unterhalb der Kirche der Inkarnation befindet. Wir sind zu früh dran, die Kirche ist zwar geöffnet, das Lokal aber geschlossen. Es öffnet erst um 20 Uhr, da können wir die Zeit hin- und herdrehen, wie wir wollen, die Tür bleibt momentan noch für uns zu! Da wir uns nicht an Messwein und Oblaten wohlfeil halten wollen, marschieren wir ins Dorf zum Platz am Rathaus. Wie in vielen Städten ist dort eine Menge los. Die Tische des ausgewählten Cafés stehen auf dem Platz, wir setzen uns, um das vorhin verpasste Anleger-Bier zu genießen und die Zeit bis zur Öffnung des Restaurants zu überbrücken.

Der bettelnde Einbeinige bekommt kein Geld von uns, aber eine Wurst im Brot von den Tapas, die wir zum Bier erhalten haben. Ob er sich bedankt hat, können wir nicht so ganz nachvollziehen und verstehen, jedenfalls steckt er die warme fetttropfende Wurst samt Brötchen in seine Jackentasche. Für uns ein Zeichen zum Aufbruch. Übrigens war dieses Lokal das teuerste Bierlokal, welches wir auf unserer Reise besucht haben. Der Aufschlag für die prädestinierte Lage beträgt mehr als 100 Prozent zu den sonstigen Lokalitäten unseres Urlaubes!

Im gebuchten Restaurant dürfen wir uns in ein festlich gedecktes Separee verziehen. Auch die aufgefahrenen Speisen sind festlich und allererste Sahne, vom Steak über die vegetarischen Menüs, wir lassen es uns richtig gut gehen.

Sonntag. Der Sonntag verspricht ziemlich warm zu werden. Schon nach dem Frühstück schien die Sonne heiß auf uns hernieder. Wir saßen auf der Terrasse unserer Suite, es war lecker warm und „man“ verspürte die Lust, heute im Hotel zu bleiben. Also mit „man“ meine ich natürlich „Frau“ und nicht „Mann“, denn man „Mann“ war ja zum Motorrad fahren hierhergekommen.

Der Unfall. Jedenfalls brachen wir um 10 einhundert pünktlich zur Exkursion über die Küstenstraße in Richtung Málaga auf. Schon nach wenigen Kilometern erblickte ich im Rückspiegel zwei Motorräder, die nicht nach der Triumph oder Kawasaki aussahen, die ich sonst hinter mir sah. Es waren zwei Yamaha FJR, also die Maschine, die ich zu Hause in der Garage stehen habe. In diesem Urlaub nutzte ich ja erstmalig meine neue KTM. Jedenfalls erkannte ich an der blauen Beleuchtung, dass es sich um die guardia civil handelte, die ich auf der, in der Geschwindigkeit beschränkten, Straße in Schlepptau hatte. Jola fragte zwischendrin, ob es mir nicht gut sei, weil ich so langsam und gerade so in erlaubter Geschwindigkeit fuhr.

Erst am Kreisverkehr nach einigen Kilometern überholte mich das Doppelgeschwader auf der Jagd nach Christian und Achim, die mir mittlerweile enteilt waren. Christian hielt allerdings am Straßenrand an und ließ die beiden ebenfalls vorbei.

Er wollte die Drohne so programmieren, dass sie uns fliegend und filmend begleitete. So geschah es denn auch. Langsam cruisten wir über die Bundesstraße, das Meer zur Linken, Bäume, Felsen und Sträucher zur Rechten. Plötzlich verharrte die Drohne in rund 20 Metern Höhe auf der Stelle, im Gegensatz zu uns, die auf der Straße weiter fuhren. Erst zweihundert Meter später fanden wir eine Parkmöglichkeit rechts der Straße.

Christian manövrierte die Drohne im manuellen Modus zurück zu uns, drehte noch eine Schleife über die rechte Böschungsseite, um uns und das Meer in schönstem Licht auf den Film zu bekommen. Er bedachte jedoch nicht die Bäume und Büsche neben der Straße und auch nicht, dass die Drohne keine seitlichen Augen, sprich Sensoren hatte, um dem Gesträuch auszuweichen. Rums, bums! Die Drohne verschwand mit ähnlichem Geräusch im Wipfel eines Baumes und stellte beleidigt die Filmerei ein.

Unsere Rettungsaktion die steile und felsige Böschung hinauf krabbelnd sowie die Rufe „wo? Da! WOOO? DAAA!“ wären gutes Material für eine Slapstick Komödie gewesen. Auch die Baumkletterei seitens Chris, der das Fluggerät affengleich sicherte und dann Achim in die Arme fallen ließ. Triumphierend kletterten wir die Bäume und die steile Böschung hinunter, der lange Achim stolperte und fiel kopfüber ins Straßenbegleitgrün, wie es in neudeutsch heißt. Das Übersetzungsprogramm sagt in neuspanisch „zonas verdes al borde de las carreteras“ dazu. Gut, dass die Motorradbekleidung über Protektoren verfügt, so dass Achim nichts Schlimmeres passierte.

Offroad. Nach diesem Abenteuer schwitzten wir noch mehr, was jedoch nicht weniger wurde, denn wir fuhren durch die ganzen Küstenorte im Stopp & Go. Der heiße Sonntag lockte viele Einheimische an die Küste, so dass die Verkehrsdichte so hoch war, wie an keinem anderen Tag unseres Urlaubes.

Dennoch waren die ganzen Urbanisationen interessant anzusehen, auch die Passagen unmittelbar am Meer ließen unsere Urlaubsstimmung hochkommen.

Endlich, unmittelbar vor der Urbanisation Valle Mar, bogen wir rechts in ein kleines Sträßchen ein. (In eigener Sache: Ich glaube ja, Christians Navi sagte, wir sollen die MA-3203 nutzen, die nur 350 Meter später rechts abbog, aber das ist nur mein Gedanke…). Wir fuhren auf einer winzigen Straße am Bach Arroyo de Almayate zwischen landwirtschaftlich genutzten Feldern, mit Obst- und Gemüseanbau hindurch, leicht den Berg hinan. Große Furten, die für ein Offroad-Abenteuer gereicht hätten, kreuzten unser Sträßchen. Wasser floss von links über den Weg. Zwischendurch begegneten wir den bäuerlichen Arbeitern, die sich zur Siesta an der Straße versammelt hatten. Kinder winkten uns zu. Eigentlich sehr schön natürlich hier.

Irgendwann erreichten wir eine Hauptstraße,  diese nutzend dann die nächste, bis wir bei Trapiche links in die MA-3113 abbogen. Die kurvige Straße entlang des Río Benamargosa scheint bei einheimischen Bikern beliebt zu sein, denn es begegneten uns ein paar spanische Zweiradfreunde, teilweise mit Geschwindigkeiten, die uns zeigten, warum an manchen Kurven, Bäumen und Leitplanken Blumen und Kreuze des Gedenkens angebracht waren.

Bergpanorama. In dem Ort, der nach dem Fluss oder umgekehrt, benannt ist, Benamargosa, pausierten wir in der Bar El Celaó. Die ältere Wirtin war beinahe mit dem Andrang überfordert, aber Christian servierte uns die bestellten Getränke sowie die Tapas dazu. Die ganzen Köstlichkeiten für uns Sieben zusammen kosteten unter dem Strich keine 15 €.

Ab hier folgten wir übrigens der MA-3107 bis Rigordo. Die Straße war wie leergefegt, so dass wir ebenfalls schön fegen konnten. In Rigordo folgten wir bis Colmenar der A-7204. Danach nutzten wir die A-7000 in Richtung Málaga. Eine klasse Straße, die uns zum sehr zügigen Fahren verleitete. Gut ausgebaute Kurven reihten sich an weitere gut ausgebaute Kurven. So erreichten wir nach langer und wunderschöner Fahrt die Höhenzüge von oder bei Málaga.

Die am Wege liegenden Restaurants waren proppenvoll. Der Málagaer pilgert also am Wochenende nicht nur an die umliegenden Strände, sondern auch in die umliegenden Berggasthöfe. Wir schossen ein paar schöne Fotos mit dem Panorama Málagas, des Meeres und weiterer Berge im Hintergrund.

Während der Fotopause entschieden wir, zurück zur Küstenstraße, dieses Mal aber nicht zur ersten Linie, sondern über die N-340a und dann zum Hotel zu fahren.

St. Martin. Am Abend marschierten wir wieder zur Schwedin Sabina, denn wir hatten Martins-Ente geordert. Die Gans ist in spanischen Gefilden scheinbar nur ein Federtier, die Ente jedoch zum Verzehr bestimmt. Wie dem auch sei, das tote und geröstete Tier mundete gut, der Abend war wieder mal sehr nett.

Montag früh, am letzten Tag des Urlaubs, wollte Chris mit uns und dem Mercedes nach Granada fahren, die Alhambra besichtigen und auf dem Rückweg noch einzukaufen. Unsere Damen sagten zu, wir Herren meinten jedoch, dass wir mit dem Motorrad besser unterwegs seien. Also wurde sich am kommenden Tag aufgeteilt.

Alhambra. Heute wollten wir schon um 9 Einhundert starten, denn Christian hatte Karten für 12 Uhr für die Alhambra geordert. Dort wird zu den Führungen immer nur eine bestimmte Anzahl von Besuchern zugelassen.

Wie jeden Tag schwangen wir uns pünktlich auf die Moppeds und starteten vor dem Hoteleingang auf unsere Tour. Nochmal die A-4050 durch die Berge, aber heute nur zu viert und mit mir als Tourguide. Locker flockig erstürmten wir die Gipfel, düsten durchs weiße Gebirge, meisterten die 3 km gerade Strecke unfallfrei und kamen nach einer Stunde auf die N-323a, der wir links folgten.

Irgendwie gurkten wir über komisch ausgeschilderte Strecken bis nach Granada. Aber auch dort stauten wir uns noch fast eine weitere Stunde durch den Stadtverkehr. Dann sahen wir endlich ein Schild mit der ausgeschilderten Sehenswürdigkeit, deren Besuch Zweck unserer Anreise war. Statt auf dem direkten Weg, der wahrscheinlich nur noch 5 Minuten gedauert hätte, wurden wir rund um Granada per Autobahn zum Ziel, der gut 1.000 Jahre alten Mauren-Burg geleitet.

Die Damen und Christian mit dem Bus waren ebenfalls gerade eingetroffen. Wir entledigten uns am Bus unserer Motorradklamotten, um die mitgebrachte Wechselwäsche anzuziehen, damit wir wie normale Touristen das Gelände  ergründen konnten.

Die Burganlage, die Aussichten von den Türmen, der wundervoll angelegte Park und die in mühevollster Kleinarbeit verzierten Gemächer und Gebäude zogen uns voll in den Bann. Einfach schön und klasse anzusehen.

Rund zwei Stunden hielten wir uns dort auf. Eigentlich viel zu kurz, also ein guter Grund irgendwann nochmal wiederzukommen!

Sierra Nevada. Am Büschen, hiermit meine ich natürlich den Mercedes Bus in Koseform und nicht irgendein Gestrüpp, verwandelten wir uns wieder zurück in einen Motorradfahrer. Die Busbesatzung brach zur Einkaufstour auf, wir hingegen wollten doch mal prüfen, ob der Schnee oben auf dem Berg auch echt war. Also bliesen wir die A-395 bis zum Ende hinauf. Zum Ende? Ja, es ist eine Sackgasse, die in Andalusiens Skigebiet führt. Weil so gut wie kein Verkehr herrschte, konnten wir es so richtig brennen lassen.

Im Wintersportort angekommen suchten wir nach Fotomotiven für den Beweis, dass wir auch wirklich hier waren. Der Schnee ist übrigens echt auf den ca. 2.300 Metern Höhe, die wir heute erklommen hatten. Langsam wurde es frisch, was für uns das Zeichen für den Aufbruch bedeutete.

Talwärts ging es über die A-395 wieder zurück. Auf der Straße mussten wir wilden Pferden genauso ausweichen, wie der Gams, die sich wohl verirrt hatte. Irgendwann bog links die Straße „Carr. De El Purche“ ab, die wir ab sofort nutzten. Es war ein Single Track, wie der geneigte Schotte wohl zu sagen pflegen würde. Nach kurzer Fahrt verscheuchten wir Kühe von der Straße, die Glockenbehängt hier oben nach ihrer Nahrung suchten.

Nach Kilometern kurvenreicher kleiner Straße erreichten wir das Dorf Monachil, in dem wir in der Tapasbar El Kiosco eine Kaffeepause einlegten. Alle Tische waren besetzt, wir ergatterten den letzten Platz. Und das an einem Montagmittag weit ab in der „Pampa“.

Hier entschieden wir uns, um nicht zu spät nach Hause zu kommen, die GR-3202 bis zur Autobahn zu nehmen und auf dieser drei Ausfahrten bis nach Dúrcal zu fahren.

Die letzten Kurven. Dort begaben wir uns auf die altbekannte N-323a, die wir rund 10 Kilometer später rechts in Richtung El Pinar verließen. An der Staumauer des Presa de Béznar legten wir nochmals eine kleine Pause ein, bevor wir auf der namenlosen Straße dem Berg empor bis zum ausgeschilderten Ort folgten.

Nun ging es links über die GR-3204 oberhalb des Tals entlang. Sage und schreibe ein Auto begegnete uns auf den kommenden 25 Kilometern, was uns die euphorisierende Kurvenhatz intensiver erleben und das Herz erglühen ließ.

Gerade wie wir in die N-323a einbiegen wollten, kamen uns zwei altbekannte und blau beleuchtete FJR entgegen. Die Herren der Polizei müssten auch gleich Feierabend haben, dachte ich bei mir und zog genüsslich am Hahn, um die weitläufigen Kurven in passender Manier zu nehmen.

Abendbrot, das letzte. Wie wir am Hotel eintrafen, waren die busfahrenden Einkäufer noch nicht zurück, kamen aber schon 5 Minuten später an. Das war ein Timing, wie es sich bereits im ganzen Urlaub nervenschonend durchzog.

Schnell fuhren wir die Motorräder zum Standort des Anhängers im Nachbarort, damit sie heute schon verladen werden konnten. Christian belud den Hänger professionell und mit stoischer Ruhe innerhalb von einer Stunde. Natürlich halfen wir ihm dabei, sei es nur mit mittelintelligenten Sprüchen oder auch ganz handfest.

Im Hotel angekommen machten wir uns frisch. Ein zweites Mal waren wir bei und mit Francisco I zum Essen verabredet. Wir bestellten uns diverse Tapas von denen sich jeder nach Lust und Laune bedienen konnte. Ein würdiger Abschluss einer Motorradtour, die nach einer Wiederholung schreit.

Klasse Wetter, nette Leute, super Service von Christian und Siegrun – rundum gelungen!

Dienstag früh morgens um 3 Uhr und 45 Minuten klingelte der Wecker unbarmherzig. Aufstehen, waschen, Klamotten runter bringen. Alles wie in Trance. Der frühe Start des Fliegers war die einzige Flugverbindung nach Köln an diesem Tag.

Chris, Siegrun und die beiden Hunde saßen bereits im Auto vorm Hotel. Ein Fresspaket lag an der Rezeption für uns bereit. Tschüss Hotel, auf Wiedersehen Almuñécar! Wir kommen sicherlich wieder!

Eifel. 12 Uhr Mittag, High Noon.  Wir sitzen in der Küche unseres Holzhauses in der Eifel. Draußen ist es frisch. Morgen müssen wir arbeiten. Die Waschmaschine läuft bereits. Die mitgebrachten Nüsse und sonstigen Leckereien munden hier nur halb so gut. Jola und ich lassen die Tage gemeinsam passieren, laden die Fotos hoch und freuen uns, eine so schöne Zeit verbracht zu haben!

Abspann:

Reiseveranstalter: hotel-forsthaus.com
Reisedestination: Andalusien
Ort:                               Almuñécar
Hotel:                          Albayzin del Mar ****
Tourguide:                Christian Schlich
Wetter:                      Sonnig, 19 – 27 Grad
Fahrtage:                  6
Gefahrene Kilometer:  1.200
Fahrspaß:                 Unendlich
Wiederholung:      Wird wiederholt

Witze:                           Ackermann                                                      
kalter Kartoffelsalat
                                         warmer Kartoffelsalat

Teilnehmer:

Weiblich:
Jola, Monika, Siegrun

Männlich:
Achim, Christian, Florian, Frederik, Ralf

Tierisch:
Maya, Paula

©Text:                Ralf Schreiber, Eifel, 11/2018
©Fotos:            Von allen Teilnehmern

Die schönste Seite der Eifel