Heiligabend mal anders (2016)

Heiligabend.

Was macht ein Mann an Heiligabend, wenn seine Kinder schon in die weite Welt ausgezogen sind und er nur noch gemeinsam mit seiner Frau auf das Christkind wartet?

Morgens gegen 9 Uhr fährt er zum Bäcker und holt das bestellte Brot und noch irgendeine süße Konditorarbeit, denn er will ja seine Gattin glücklich machen.

Anschließend geht er weiter zum Metzger und holt die bestellte Wurst und das Fleisch, falls das nicht sowieso schon zu Hause liegt und auf die Zubereitung wartet. Und noch eine weihnachtlich verpackte Kleinigkeit, denn er will ja seine Gattin glücklich machen.

Schnell noch beim Supermarkt das Toilettenpapier und die neueste Modellbau-Zeitschrift gekauft. Das eine dient zur Vermeidung eines GAU’s im Badezimmer, das andere zum Entspannen für den langen Nachmittag beim Warten aufs Christkind.

Mit dick bepacktem Auto begibt er sich nun auf den Heimweg. Sollte die Welt zusammenbrechen oder irgendein anderes Unglück geschehen, würde er mit den ganzen Nahrungsmitteln, die er momentan im Auto mit sich führt, sicherlich 3 Wochen überleben können und mit dem, im Modellbauheft liegenden, Bausatz hätte er etwas Sinnvolles, bis sein Ende nahen würde.

10.30 Uhr beginnt das Christbaumschmücken. Hier ist nicht das Schmücken im eigentlichen Sinne, nämlich Kugeln aufhängen, Verzierungen anbringen usw. gemeint, sondern nur die psychologische Hilfestellung für seine liebste Gattin. Sie hängt, bringt an usw. und er muss nur die Richtung angeben: rechts, links, höher, tiefer!

So gegen 12 Uhr ist auch das geschafft.
Die Schwiegermutter ist gekommen.

Nun beginnt die lange Wartezeit bis zur Bescherung. Computer angeworfen, Weihnachtsgrüße verschickt, Computerspiel gespielt, im Netz gesurft.

13.30 Uhr wird auch das langweilig. Plätzchen werden als Befriedigung genascht genauso wie die Schokolade und der Stollen. Noch 4 Stunden bis zum Christkind.

Der Keller und die Garage sind aufgeräumt, im Fernsehen läuft alles wie schon in den vergangenen Jahren. Langweilig! In der Küche werkeln die Schwiegermutter mit ihrer Tochter.

Ein Blick nach draußen. Die Sonne scheint am 24.12. Wann hatten wir zum letzten Mal eine weiße Weihnacht? Plötzlich hört man Motorgeräusche in weiter Entfernung. Die scharfen Ohren hören sofort, dass es sich um ein Motorrad-Motorgeräusch handelt.

Noch 3 ½ Stunden. Dann allen Mut zusammen genommen und die liebste aller Gattinnen gefragt, ob man noch helfen oder für eine gute Stunde nach draußen könnte. „Ein bisschen Bewegung tut dir nach dem ganzen Naschen der Süßigkeiten gut“, war die Antwort. Besser hätte die Antwort nicht lauten können.

Schnell im Keller die Motorradklamotten angezogen, damit die Überraschung länger eine Überraschung bleibt. Die Treppe raufgelaufen, den Helm vom Board genommen und ein kurzes „bin dann pünktlich zurück“ gerufen und die perplexe Gattin nebst deren Mama in der Küche zurück gelassen.

14 Uhr, das Motorrad springt sofort an. Der sonore Klang ist toll und lässt den einen oder anderen Nachbarn neidisch durch den Vorhang linsen. Das Grinsen unterm Helm ist äußerst breit.

Auf geht’s, heute ist Heiligabend!

Gestern war es noch laut in Tondorf
Zwischen Hümmel und Wershofen

Da habe ich ja nochmal Glück gehabt
Schuld in Erwartung des Christkindes

Die Kurve zwischen Winnerath und Reifferscheid wurde geklaut und begradigt. In Google Maps existiert sie noch
Ist ja Heiligabend, daher kurzer Stopp an der Kapelle
Ist ja Heiligabend, daher kurzer Stopp an der Tannenbaum-Plantage
Im Hintergrund lächelt die Nürburg
Vor Adenau

In „Ring“-Nähe
LINKS: Nordschleife – MITTE: Landstraße 93 – RECHTS: Nürburg
Zufahrt zur Nordschleife, heute geschlossen!
Hier mal von nahem: Die Nürburg, Namensgeberin für alles hier in der Nähe

ICH

Die schönste Seite der Eifel